Haarige Zeiten

Das Schönheitsideal hat sich im Laufe der Zeit verändert. Meist wird es mit den Proportionen des Körpers in Zusammenhang gebracht. Das Schönheitsideal beschränkt sich jedoch nicht nur auf das Körpergewicht, sondern auch die Haartracht hat sich in den einzelnen Epochen verändert und wurde immer wieder einem neu erfundenen Schönheitsideal unterworfen.

Eine gepflegte, volle Haarpracht gilt schon immer als gesund und weiblich. Daher ist es nicht verwunderlich, dass im Mittelalter den verheirateten Frauen von der Kirche untersagt wurde, ihre Haare in der Öffentlichkeit zu zeigen. Die Frauen trugen Hauben, Hute und Schleier, um dieses Verbot nicht zu verletzten. Da eine hohe Stirn als ästhetisch empfunden wurde, hat man sogar den Haaransatz der Stirn rasiert. Nach den Pestwellen im 14. Jahrhundert änderte sich dies wieder und die Haare wurden wieder kunstvoll hochgesteckt oder um den Kopf herum geflochten.
Dieser Trend verstärkte sich in der Renaissance, die Frisuren wurden phantasievoller. Auch das Färben der Haare war nun angesagt. Helle Töne galten als modern und wurden durch natürliche Färbemittel erzielt. Auch Haarschmuck, wie Perlen, Bänder und Netze wurden in die Haarpracht eingearbeitet.

Hyacinthe Rigaud - Bildnis des Chevalier Lucas Schaub von Basel, 1722
Hyacinthe Rigaud - Bildnis des Chevalier Lucas Schaub von Basel, 1722

Mit dem Einarbeiten von Haarschmuck und aufwendigen Frisuren endete die Geschichte des Haares jedoch nicht. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der Brennstab für die Haare erfunden und gab vor allem der gehobenen Klasse die Möglichkeit für neue ausgefallene, lockige Kreationen auf dem Kopf. Auch Puder und Pomade wurden nun eingesetzt, um die typischen hellen Lockenrollen der Zeit zu erwirken. Da nicht jeder die geeignete Haarstruktur für diese Frisuren aufbrachte, kamen vermehrt Perücken auf, die mit Mehr weiß gepudert wurden. Dieser Trend kam jedoch mit der Französischen Revolution zum erliegen.

Heute werden Perücken und Toupets vor allem bei lichter werdendem Haar oder aus medizinischen Gründen getragen. Es werden oft keine Echthaare eingesetzt, da auch künstliche Haare eine günstigere Variante darstellen. Auch Extensions und Haarteile werden professionell in die Haare eingearbeitet. Auffallend ist hierbei, dass es den Trägern auf ein natürliches Aussehen ankommt. Es soll dem eignen Haar möglichst ähneln.

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Eine der neuesten Erfindungen aus der Haarwelt hat sich die Erfinderin Frau Staedel aus Freigericht einfallen lassen. Ihr Ansatz ist es die Haare nicht vollends mit einer Perücke zu bedecken oder Sie, wie bei den Exstensions üblich, anzukleben bzw. mit Metalhülsen zu befestigen. Ihre Idee ist es einen längeren Haarstrang vom Scheitel an spiralförmig in das Haar einzuarbeiten. Die Kopfhaut kann so atmen und die Haare werden nicht durch Kleber oder Metall angegriffen. Es kommt zu einer natürlichen gesunden Haarpracht.

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