Zeigt her eure Beine…

Bis 1930 war Japan der Hauptlieferant von Seide für die USA. Als der Inselstaat versuchte zu expandieren, sahen die Vereinigten Staaten die Handelsbeziehungen gefährdet. Um die knapp gewordene Seide zu ersetzen musste ein vergleichbares Substitut her. Deshalb versuchte Wallace Hume Carothers mit seinem Forschungsteam von der Firma DuPont de Memours & Co., eine künstliche Faser herzustellen, die der Seide ähnelt.

Im Februar 1935 erhielt Carothers, im Rahmen eines Experiments, eine durchsichtige seidig schimmernde Faser, das Polyamid 6.6. Das neue Material galt als besonders reiß- und scheuerfest, leicht waschbar und schnell trocknend. Als eine vollsynthetische Faser „aus Kohle, Wasser und Luft“ stellte die Firma DuPont das Nylon 1938 in einer Anzeigenkampagne erstmals der Öffentlichkeit vor.
Fast gleichzeitig entwickelte der deutsche Chemiker Paul Schlack eine fast identische Kunstseide: Perlon.

Schlack und Carothers

Schlack und Carothers

Im Oktober 1939 fand ein erster Testverkauf von 4000 aus Nylon hergestellten Damenstrümpfen statt: Innerhalb von drei Stunden waren sie komplett ausverkauft.
Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges waren die Nylons aus der Produktpalette verschwunden. Fortan sollte der neue Stoff keine Frauenbeine mehr schmücken. Als kriegswichtiges Material wurde er stattdessen zu militärischer Ausrüstung verarbeitet. Nur Filmstars konnten sich die luxuriösen Beinkleider noch leisten. Die amerikanische Durchschnittsfrau aber spendete ihre alten Strümpfe – die wurden dann zu Fallschirmen verarbeitet.

Ende der 50er-Jahre mit der Weiterentwicklung der Textilmaschinen, begann der Siegeszug des nahtlosen Strumpfs. Die Maschinen machten es möglich, die bislang produzierten Nylonstrümpfe mit einem Höschenteil zu versehen: Der Massenproduktion der Strumpfhose stand nichts mehr im Wege. Der Durchbruch gelang dieser Innovation in den Sechzigern. Unter dem Minirock waren die Nylonstrumpfhosen praktischer und bequemer als Strümpfe mit Halter und Hüftgürtel.
In der Wirtschaftswunderzeit eroberten die Nylons aber auch die deutschen Fräuleins.

Zur Namensgebung des Nylons existiert eine Legende: Carothers soll erkannt haben, dass die hervorragenden Fasereigenschaften des Polyamids 6.6 das japanische Seidenmonopol bedrohen könnte und soll rief daraufhin „Now, you lousy old nipponese“. Die Anfangsbuchstaben der einzelnen Wörter ergeben das Wort Nylon.

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