Fundament der Welt

Kokskohlenturm der Gaskokerei (Quelle: industrie-kultur.de)
Kokskohlenturm der Gaskokerei (Quelle: industrie-kultur.de)
Was wäre unsere Welt ohne Zement? Die Erfindung dieses künstlichen Steines hatte eine Revolution der architektonischen Möglichkeiten eingeläutet, welche die Errungenschaft des gebrannten Ziegels beinahe noch übertraf. Inzwischen kann man ruhigen Gewissens behaupten, dass der Beton der „Grundstein“ unserer Welt geworden ist.

Keine Autobahnen, Brücken oder gar Wolkenkratzer wären denkbar ohne seine Erfindung. Doch die „Revolution“ geschah nicht, wie man vielleicht denken könnte, als wir begannen, unsere Häuser gen Himmel zu führen sondern schon vor über 2.000 Jahren. Seitdem ist er Unverzichtbar, der Beton. Das Prinzip eines Bindemittels auf der Basis des Kalkmörtels ist sogar noch viel älter und an Bauten in der heutigen Türkei nachweisbar, die auf ein Alter von über 10.000 Jahre datiert werden. Und auch in Ägypten und Phönizien ist diese Technik schon lange vor der Zeitenwende angewendet worden.


Aber „erst“ vor knapp über 2.000 Jahren wurde der „künstliche Stein“ als solches erfunden und der Ruhm der Erfinder gebührt hier allein den größten Baumeistern der europäischen Antike, den Römern.

Das römische Opus Caementitium, von dem sich das deutsche Wort Zement ableitet, hatte seinerzeit zu einer wahren Explosion von neuen Möglichkeiten in der Architektur geführt. Der Römische Beton ist ein Gemisch aus Sand, gebranntem Kalkstein, Steinen und Beimischungen, den sogenannten Puzzolane, von Bruchsteinen und ähnlichem. In Verbindung mit Wasser wird dieses Gemisch zu einem druckfesten Gestein, welches natürlichen Baustoffen in nichts nachsteht und diese theoretisch sogar übertrifft. Je nach Beimengung und Ausführung ließen unterschiedlichste Festigkeiten und Gewichte erreichen.

Die Erfindung des Betons oder Zements hat zu unglaublichen architektonischen Meisterleistungen geführt.

Der bei weitem berühmteste Bau, der ohne das Opus Caementitium nicht möglich gewesen wäre, ist das Pantheon in Rom. Dieser Tempel, für dessen Umbau um 120 n.Chr. Kaiser Hadrian selbst die Pläne entworfen haben soll, besaß 1.700 Jahre lang die größte, selbsttragende Kuppel der Welt. Und dass der Bau bis heute die Zeiten beinahe ohne Beschädigungen überstanden hat, spricht für sich selbst.

Doch wie so oft geriet auch dieses Wissen wieder mehr oder weniger in Vergessenheit. Es gibt zwar die Vermutung, dass der römische Beton für den Bau des Doms in Florenz im 15. Jahrhundert verwendet wurde, doch ist dies aber immer noch in der Forschung umstritten. Nachweislich taucht die Technik erst wieder 1753 im Standartwerk „Architecture hydraulique“ des Franzosen Bernard de Bélidor auf. Auf ihn geht auch die Wortneuschöpfung Beton zurück, die sich vom lateinischen Bitumen ableitet.

Die Neuerfindung des Betons der Neuzeit ist auf den Briten John Smeaton zurückzuführen. Er begann sich 1755 mit der Suche nach einem wasserbeständigen Mörtel zu beschäftigen und führte diverse Versuche mit gebranntem Kalk und Ton durch. 1796 erfand der Engländer J.Parker den Romanzement und leitete damit den modernen Betonbau ein. Der Stahlbeton wurde erst 1867 von Joseph Monier erfunden.

Am Prinzip des Betons hat sich seit seiner Erfindung nicht viel geändert

Technisch gesehen ist das Funktionsprinzip des Betons gleich geblieben. Der Zement dient als Bindemittel für die anderen beigemengten Bestandteile. Seine Festigkeit verdankt er der Auskristallisierung der Klinkerbestandteile des Zements. Hierbei entstehen kleinste Kristallnadeln, die sich ineinander verzahnen. Dieser Prozess ist auch nach Monaten noch nicht abgeschlossen, aber gemeinhin gilt Beton nach einer Abbindezeit von 28 Tagen als normfest.

Beton erreicht eine sehr hohe Festigkeit und kann einem Druck von 40N/mm² widerstehen, besitzt aber keine hohe Zerreißfestigkeit. Aus diesem Grund wird bei Bedarf vermehrt Stahlbeton eingesetzt.

Die Erfindung des Beton war so prägend für das Bild unserer Welt, so dass es nicht verwundert, dass er auch in der modernen Kunst ein beliebtes Material geworden ist.

Mag man davon halten, was man will.

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