Die Schneemacher

„Was für eine absurde Idee“, werden sich die Mitarbeiter des Reichspatentamtes gedacht haben, als sie am 23. April 1927 Patentschrift Nummer 464521 entgegennahmen. „,Naturschnee-Ersatz‘ – als ob der Winter nicht schon lang genug wäre.“ Diese Masse aus Polierwachs, Salz, Seife, Baumnadeln und Watte fand zwar nie den Weg auf die Piste, aber bis heute haben sich 120 Erfindungen beim deutschen Patentamt zum Thema Kunstschnee angesammelt.

Schnee1_BM_Hamburg__722342g

Dem Schnee der Zukunft sind keine Grenzen gesetzt: Mitarbeiter von BASF schlagen vor, Kühlfasern einzuarbeiten. Ein Erfinder aus dem Allgäu würde tauanfällige Abfahrten mit einem System aus Kühlmittelschläuchen durchziehen. Alles sehr fragwürdige Methoden. Der Markt für Kunstschnee wird immer größer. Jede dritte Skipiste der Alpen ist zurzeit künstlich beschneit. Denn Schnee und befahrbare Pisten werden dort spürbar rarer, eine Folge der bereits eingesetzten globalen Erwärmung. Weniger Pisten, weniger Skifahrer? Im Gegenteil. Die Alpen sind inzwischen fast flächendeckend mit neuen Superliften überzogen, die in wenigen Minuten Hunderte Wintersportler auf eine einzige Abfahrt spucken können. Je mehr sich Skigebiete unter dem Druck des Klimawandels auf die technische Beschneiung verlassen müssen, desto drängender werden die Umweltfragen. Einige der aktuellen Patente versuchen deswegen, die Schnee-Eigenschaften so zu modulieren, dass Skifahrer und Umwelt gleichermaßen davon profitieren.

schnema180_David_Goehring__cc-by-2.0_-eda73b5709a816f8

Post to Twitter Tweet This Post

Leave a Reply