Die Geschichte vom Handyladegerät fürs Fahrrad

Die Idee ist so genial wie naheliegend: Der Mobiltelefonhersteller Nokia hat ein System entwickelt, mit dem sich Handys bequem und umweltschonend beim Fahrradfahren aufladen lassen. Das Ladegerät wird am Lenker montiert und mit einem Dynamo verbunden. Ende des Jahres soll es für 15 Euro auf den Markt kommen. Ein System, wie gemacht für Großstädter, die weder auf Technikschnickschnack noch auf ökologisches Gewissen verzichten möchten.
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ABER: Zur eigentlichen Zielgruppe gehören aber andere: China und Indien etwa und afrikanische Länder, in denen die Verbreitung von Handys rasant zunimmt. So besitzt in Kenia über die Hälfte der 38 Millionen Einwohner ein Mobiltelefon, aber nur wenige haben Stromanschluss. Auf dem Land nehmen Handybesitzer weite Wege in Kauf, um ihre Geräte an Autobatterien oder Solarstationen aufzuladen – für bis zu zwei US-Dollar pro Ladung.
Nokias Fahrradladestation könnte Abhilfe schaffen. Einziger Haken: Die Idee ist vermutlich geklaut. Von zwei kenianischen Studenten. Jeremiah Murimi und Pascal Katana aus Nairobi haben 2009 ein System gebastelt, das dem von Nokia verblüffend ähnelt. Ganz simpel, aus Material vom Schrottplatz. Die BBC, später auch Technikblogs berichteten über die Erfindung.
Der finnische Mobilfunkhersteller könnte so von der Fahrradladestation erfahren haben, wehrt sich aber gegen den Vorwurf des Ideenklaus. „Unsere Entwicklungen entstehen in engem Austausch mit den Kunden vor Ort. Aber ein Dynamo an sich ist ja noch keine besonders neue Erfindung“, sagt Nokia-Sprecher Robert Jeschonnek. Das sehen die beiden Erfinder anders. „Wir fühlen uns bestohlen und entmutigt, besonders weil wir unsere Erfindung sogar patentiert haben“, sagt der 25-jährige Elektrotechnikstudent Murimi. Das Urheberrecht sei Sache der Politik. In vielen afrikanischen Staaten ist es aber hoffnungslos veraltet. Für Diebstahl geistigen Eigentums werden in Kenia höchstens 800.000 kenianische Schilling, umgerechnet etwa 10.000 US-Dollar, Strafe fällig. Peanuts für Multimilliardenkonzerne.
Aus Afrika, für Afrika. Verdienen werden andere. Kolonialismus läßt grüßen.

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